Pfingstzeltlager
Unser Pfingstzeltlager
Als uns in diesem Jahr ein Anmeldeformular zum Binsfelder Pfingstzeltlager ins Haus flatterte, war für meinen Sohn André und mich schnell klar „Da sind mer dabei“, zum ersten Mal nebenbei bemerkt. Aus dem Beiblatt zur Anmeldung war zu ersehen, dass sich die Verantwortlichen sichtlich Mühe gegeben hatten, den Kindern und Jugendlichen ein viel versprechendes Gestaltungsprogramm zu bieten, ein Grund mehr mitzumachen.
Über unseren F-Jugendtrainer Andreas van Kempen meldeten Papa und Sohn sich an.
Am Donnerstagabend und am Freitag vor dem Pfingstwochenende packten wir die Sachen zusammen, um dann fest zu stellen „Hallo! Fahren wir jetzt 14 Tage nach Mallorca oder machen wir 3 Tage Camping im Dorf?“ Mama hatte es mal wieder all zu gut mit uns gemeint und auf Papas starke Muskeln vertraut. Na ja, gepackt war gepackt, das Auto bis an den Rand vollgeladen, so fuhren wir zum Sportplatz, Mama, Papa und André.
Hoffentlich sind ein paar erfahrene Camper oben, dachte ich so bei mir, die mir beim Zeltaufbau helfen können, sonst werde ich mit Sicherheit kläglich versagen. Ich erinnerte mich dabei damals an unserem Urlaub an der Nordsee und die unliebsame Erfahrung mit einer nullachtfuffzehn Strandmuschel, bei deren Aufbau ich mir keine Lorbeeren verdiente. Das konnte ja heiter werden! Ach Quatsch, damals in Belgien war es auch viel windiger, die Bedingungen ganz andere.
Es wird schon klappen! Frisch, fröhlich, frei ging es ans Werk!
Viele waren schon da und bauten Ihre Zelte auf! Es erinnerte ein wenig an eine Westernstadt. Auf der rechten Seite des alten Sportplatzes bildeten sich zwei Zeltreihen, fehlte nur der Saloon.
Wie erfahrene Pfadfinder ließen wir unsere Blicke schweifen, um den idealen Zeltplatz für uns zu finden, um dann aus dem hohlen Bauch zu entscheiden: „Ach da hinten sind ja Stefan und Angelika, die gerade ihr Zelt aufbauen, und davor ist noch Platz, wunderbar nichts wie hin!“ Die Entscheidung war getroffen. Einen guten Zeltplatz hatten wir auserkoren, auf den ersten Blick jedenfalls, dazu später mehr. Wie wir, so dachten auch andere Eltern von Sportkameraden unseres Sohnes und gesellten sich mit Ihren Stoffunterkünften dazu.
Über die Lautsprecheranlage erklang eine Stimme „Alle Zeltlagerkinder bitte in die Ranch zum Anmelden“. Unser Sohnemann und seine Kumpels flitzten im Sprinttempo rüber.
Mittlerweile hatten wir die ersten Maßnahmen, wie Zelt und Heringe aus dem Sack holen und Anleitung lesen, für unseren Zeltaufbau eingeleitet. Da es sich bei unserem Zelt auch noch um ein geschenktes Zelt handelte, das wir noch nie aufgebaut hatten, standen wir davor wie die Jungfrau vor dem Kinde, Hilfe suchenden Blickes zu hilfsbereiten Nachbarn.
Und unser stummes Flehen wurde erhört, Rudi, Stefan und Caro, wirklich kampferprobte Camper, kamen zu Hilfe und in Gemeinschaftsarbeit stand unser Zelt doch wesentlich schneller, als von mir erwartet. Zum ersten Mal sahen wir unser aufgebautes Zelt, ein schönes, großes, graues mit einer abgetrennten „Schlafsuite“ und einem natur belassenen „Gesellschaftsvorraum“ auf heiligem Fußballrasen. Es schien auch wirklich fest zu stehen und wir waren sicher, es wird den Widrigkeiten einer kalten Nacht trotzen.
Von all dem unbelastet frönte unser Sprössling mit seinen Kumpels seinem Lieblingshobby, na was wohl, das Runde in das Eckige dreschen.
Wenn der Durst ihn nicht ab und an zur Basisstation getrieben hätte, wir hätten wohl eine Vermisstenanzeige aufgeben müssen.
Das Zelt stand in seiner einzigartigen Pracht, jetzt war aber noch die Schlafmatratze aufzupumpen. Im irrigen Glauben, es handelt sich um eine Doppelmatratze, mussten wir dann leider feststellen, da passt nur eine Person drauf. Einer erst kürzlich durchgeführten Aufräumaktion zu Hause war es zu verdanken, dass mir dabei eine alte Luftmatratze aus den frühen Siebzigern Jahren in die Hände fiel, und ich auch genau wusste, wo ich sie hingeräumt hatte, um das „denkmalgeschützte Utensil“ dann noch schnell mit dem Auto zu holen.
Zurück auf dem Sportplatz ergab sich schon das nächste Problem. Da leider keines der Pumpventile auf die Lufteinlassöffnung passte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Matratze mit dem Mund aufzublasen. Den Talgstaub hatte ich noch Stunden später in der Nase, aber nach überstandener Niesattacke stand dem unbeschwerten Campingleben nichts mehr im Wege.
Leider fiel die Attraktion des Abends, ein Alte Herren Spiel zwischen den Mannschaften aus Binsfeld/Rommelsheim und Kelz wegen Personalmangel des Gegners aus. Aber das war nicht weiter von Bedeutung, spielten die Kinder und Jugendlichen doch lieber selber mit dem runden Leder.
Perfekt organisiert vom Jugendvorstand war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt. Auf Märkchen gab es Gegrilltes und Gekühltes. Im entrichteten Obolus bei der Anmeldung war das Essen und Trinken für die Kids enthalten.
Doch unser Filius nahm davon überhaupt keine Notiz, für ihn gab es Wichtigeres zu erledigen, er stand im Tor und durfte keinen Ball reinlassen.
Nur zur Verabschiedung seiner Mami, die es vorzog, zu Hause zu schlafen, weil für sie der Samstag ein Arbeitstag war, sah man ihn heran flitzen. Ein flüchtiger Kuss, „tschöö, schlaf gut“, bis morgen, noch eine wärmende Kapuzenjacke angezogen, und schon war er wieder weg.
Bis in die späten Abendstunden war für Kids der Fußball das dominierende Element.
Aber zu einem Zeltlager gehört natürlich auch ein zünftiges Lagerfeuer. Mit ein paar Pflastersteinen, die von Pflasterarbeiten am Sportplatz noch übrig waren, wurde eine Umrandung gebaut.
Brennbares Material lag genug herum, ein paar Bänke aufgestellt und die Lagerfeueratmosphäre war da. Ein Feuer hat auch etwas Magisches, etwas Anziehendes, und so gesellten sich mehr um mehr Kinder wie auch Erwachsene dazu. Trotz des schönen Tages mit herrlichem Sonnenschein wurde es am Abend doch sehr kühl, das Feuer war willkommen, um sich aufzuwärmen.
Auch mein Söhnchen ließ sich vom Feuer anlocken, aber nur deshalb, weil er sich erinnerte, dass die Mama ihm 4 Tüten Marshmellows, das ist dieser süße Schaumgummi, im Volksmund auch Speck genannt, eingepackt hatte. Die Idee war, mit Stäbchen die Marshmellows übers Feuer zu halten und im angerösteten Zustand zu essen. Die Idee fand großen Anklang, die Kinder rissen sich um die Marshmellows, jedoch erwiesen sich die besorgten Stäbchen als ungeeignet, weil zu kurz. Aber dem konnte Abhilfe geschaffen werden, Rudi, ein erfahrener Pfadfinder und Waldläufer schnitt vom vorhandenen Baummaterial kleine Äste zurecht, so dass jedes Kind einen schönen spitzen langen Stock erhielt, mit dem es Marshmellows rösten konnte.
Die Tüten Marshmellows waren schnell aufgebraucht. Unser Bursche war zunächst im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme, als er aber die Marshmellows dann probierte, kam nur kurz und knapp der Kommentar „Bah, schmeckt das eklig“. Damit war das Thema für ihn beendet.
Zu vorgerückter Stunde hieß es „Sammeln zur Nachtwanderung“. Wir aber zogen es vor, das Lagerfeuer zu bewachen und uns zu wärmen.
Die wilde Horde zog los, bereit, ihre Finger in die Türklingel anderer Leute zu drücken und die schlafende Dorfbevölkerung ein wenig zu ärgern.
Ein gewisses Hungergefühl machte sich mittlerweile auch bei André bemerkbar, der bislang keine Zeit zum Essen hatte. Der Grill war längst schon aus, da war nichts mehr zu holen, aber Papa kennt ja seinen Pappenheimer und packte die Hasenbutterbrote aus, die unser Dauerfußballer dann auch mit Heißhunger verschlang.
Als die Nachtwanderer zurück waren, kam der Ball wieder ins Spiel und unter Flutlicht wurden die letzten Energien verbraucht.
Gegen 00.30 Uhr sah ich meinem Sohn an, es reicht! Papa ich will zwar noch nicht, aber ich muss ins Bett, ich bin groggy! Der Körper hatte tatsächlich über den Geist gesiegt. Und so verabschiedeten wir uns von den anderen und krochen müde und erschlagen ins Zelt.
In Nullkommanix war André in seinem neuen Schlafsack eingeschlafen. Allerdings erwies sich für Papa das Zelt doch als sehr gewöhnungsbedürftig, soll heißen, durch Zeltwände ist die Geräuschkulisse eine ganz andere als durch Hauswände. Und was mir unerfahrenem Camper jetzt auffiel, mit unserem Zelt hatten wir uns zu nah ans pulsierende Leben begeben. Am Lagerfeuer hatte jemand die Gitarre ausgepackt und stimmte den ultimativen Campinghit „Ein belegtes Brot mit Schinken, ein belegtes Brot mit Ei…..“ an, und alle verbliebenen Nachteulen sangen stimmgewaltig mit. Es sollten weitere Lagerfeuerhits folgen. Ich glaube, so gegen 2.30 Uhr verstummten die Gesänge, nicht aber die Geräusche. Weiterhin konnte man Stimmen, mal leise mal weniger leise (also laut) vernehmen. Auch Mutter Natur schien in dieser Nacht nicht viel vom Schlafen zu halten, ein Konzert der besonderen Art sollte uns die ganze Nacht begleiten. Vom angrenzenden, durch eine Hecke abgetrennten Nachbargrundstück gab es ein einzigartiges, die ganze Nacht dauerndes Froschkonzert. Wie heißt es so schön in dem Lied „Die Fröschelche, die Fröschelche, das ist ein lustig Chor“, ich hätte sie in dieser Nacht alle erschlagen können und wäre garantiert bei Greenpeace auf die rote Liste gekommen.
Sozusagen das I-Tüpfelchen auf die schlaflose Nacht war ein monotones aber melodisch sehr schönes Schnarchen aus einem Nachbarzelt. Gegen 3.30 Uhr kehrten zu guter Letzt unsere A-Jugendlichen vom nächtlichen Beutezug heim, um am Lagerfeuer noch ein wenig zu johlen und sich feuchtfröhlich des Lebens zu freuen. Es muss wohl kurz vor Dämmerung gewesen sein, da schwanden mir die Sinne, und ich bin eingeschlafen, um gegen 6.00 Uhr wieder durch laute Geräusche geweckt zu werden. Tatsächlich hörte man draußen schon die ersten Frühaufsteher Richtung Lagerfeuer ziehen.
Um 6.30 Uhr bin ich aufgestanden und war mir sicher, die nächste Nacht schläfst Du im eigenen Bett!
Das Lagerfeuer glimmte immer noch und blieb auch weiterhin der Magnet. Mit ein paar Holzscheiten und Tannenzweigen hatten Kids das Feuer schnell wieder entfacht, und es zogen wieder dichte Rauchschwaden Richtung Sportplatz.
Der Sohnemann schlief weiterhin fest und selig, selbst das Öffnen des Zeltreißverschlusses weckte ihn nicht auf. Ich brauchte unbedingt frische Luft.
Mittlerweile rückte schon das Frühstückskommando an. Oma und Opa van Kempen waren für die Beköstigung am Morgen eingeteilt und bauten das Frühstücksbuffet in einer Familienaktion mit ihren Söhnen Stefan und Andreas auf.
Durch meine jahrelange, tägliche Erfahrung im Brotschmieren konnte ich mich bei den Frühstückvorbereitungen sehr nützlich machen, hatte mich aber auch im Vorfeld dafür schon gemeldet. Was aber viel wichtiger war, es gab einen wärmenden und weckenden starken Kaffee, der die müden Glieder wieder animierte, meinem Geist, sagen wir mal mindestens zu 75% zu folgen.
So langsam strömten immer mehr Kinder in die Frühstückslounge, nur Andreas Michaeli vom Jugendvorstand, der nächtens „Brandwache“ gehalten hatte, musste jetzt den Strapazen Tribut zollen und zog sich zum Schlafen in seine Kasematte zurück. Ob er wirklich zur Ruhe kam, wage ich zu bezweifeln, denn pünktlich um 8.00 Uhr gab es den ultimativen Weckruf für alle.
Aus der Musikanlage dröhnte auf volle Lautstärke aufgedreht ohrenbetäubender Lärm von der Gruppe „Rammstein“, schöne Musik, aber nicht so ganz mein Fall! Nicht nur die Camper auf dem Sportplatz waren wach, auch das ganze Dorf brauchte spätestens um 8.00 Uhr keinen Wecker mehr.
Waren auch wirklich alle wach? Da gab es doch tatsächlich ein Zelt, in dem sich noch nichts rührte! Mittlerweile zeigte die Uhr 8.15 Uhr. Jetzt wurde es aber Zeit, schließlich konnte man ab 9.30 Uhr das DFB-Sportabzeichen erlangen. „André, Du musst jetzt aufstehen, die anderen Kinder sind alle wach, Sarah, Luca, Simon spielen auch schon Fußball!“ Fußball war das entscheidende Stichwort. Sichtlich unausgeschlafen, aber neugierig, ob seine Mannschaftskollegen wirklich schon Fußball spielten, zog er seine Sportschuhe an und trat vor das Zelt. An allen aufgestellten Toren konnte man schon regen Fußballbetrieb feststellen, auch die 3 Mannschaftskollegen sah man dem Ball hinterher jagen.
Es war wohl der gewohnte tägliche Ablauf, auch der Drang, mal nach dem Rechten zu schauen, der uns kurz entschlossen dazu bewog, nach Haus zu fahren, um dort leicht müffelnde Körper wieder „ins Reine“ zu bringen. Gegen 9.00 Uhr waren wir zurück auf dem Sportplatz. Keine 2 Minuten später war der Ball wieder die Hauptattraktion für den Sohnemann.
Eine besondere Herausforderung für unsere Nachwuchskicker sollte gegen 9.30 Uhr beginnen. Die Kids konnten das DFB-Sportabzeichen erlangen. Auf dem Sportplatz erwarteten unsere Jungstars verschiedene Aufgaben. Stephan Kowalski, der die Aktion perfekt organisiert hatte, baute einen Parcours mit 5 Stationen auf. Hier kam es auf Schnelligkeit, Geschicklichkeit und technische Fähigkeiten an. Die Kinder wurden in Fünfergruppen eingeteilt und mussten an den Stationen ihre besten Leistungen abrufen, um eine hohe Punktzahl zu erreichen.
Natürlich brauchte man an jeder Station entsprechende, in der Formel Eins würde man sagen „Stewards“, die die Aktionen bewerteten und die Ergebnisse in die Handzettel eintrugen.
Als alten Fußballhasen hatte man auch mich für eine Station eingeteilt.
Die Übung war sehr einfach, die Kinder mussten Flanken schlagen, das hieß, der Ball musste von einem Feld in ein 20 m entferntes gespielt werden, ohne dass dieser den Boden vorher berührte. Für nicht ganz so schusskräftige Bambini- und F-Jugend-Kinder wurde ein Minitor aufgestellt, in das sie hineinschießen mussten. Klappte alles wie am Schnürchen, mit meinem Mitbetreuer Stefan, Vater von Thomas, einem Bambini-Spieler, hatten wir unsere Station voll im Griff.
Und dann passierte ein kleines Unglück, der Sohn von Horst, einem „Steward“ an einer anderen Station war mit dem Fuß umgeschlagen und benötigte die väterliche Hilfe. Andreas van Kempen übernahm kurzerhand meine Aufgabe, und ich wanderte an die technisch anspruchsvollste Station, in der auch die Zeit eine wichtige Rolle spielte.
Jeder Kandidat hatte zwei Versuche. Leider hatte ich aufgrund des spontanen Stationswechsels und des sich mit der Stoppuhr anfreunden keine Zeit, die Regeln dieser Übung durchzulesen und verursachte wirklich „unabsichtlich“ im Nachhinein ein totales Bewertungschaos.
Anstatt den besten der beiden Versuche zu zählen, schrieb ich den Kindern die Punkte aus beiden Versuchen auf ihren Laufzettel. Damit freuten sich schon einige Kids auf das Sportabzeichen in Gold. Nach einigen Durchgängen machte man mich auf den falschen Eintrag aufmerksam. Ich war bei der Auswertung der Ergebnisse später nicht dabei, habe mich vorsichtshalber auch nicht blicken lassen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das ein oder andere Jurymitglied bei sich dachte „Welcher Trottel war denn hier am Werk?“
Der Filius machte bei der Aktion eine bessere Figur als der Vater und konnte sich über das DFB-Sportabzeichen freuen.
Zwischenzeitlich war Mama auch von ihrer Frühschicht heimgekehrt und freute sich auf ein reichhaltiges Frühstück auf dem Sportplatz. Aber wie das manchmal im Leben so ist, erstens kommt es anders als man zweitens, drittens denkt. Familie van Kempen hatte das Frühstücksbuffet verständlicherweise gegen 9.30 Uhr wieder abgebaut und Mamas Magen knurrte weiter. Nach kurzem Begrüßungszeremoniell und Berichterstattung über die erlebte Nacht und den Morgen verabschiedete sich Mama von Sohn André und mir Richtung Heimat, um dann pünktlich gegen 11.15 Uhr zurück zu sein. Beim nächsten Highlight wollte sie unbedingt dabei sein. Es stand ein Ausflug ins Bubenheimer Spieleland auf dem Programm. Das Besondere daran war der Fußmarsch bis dahin über Feldwege mit einigen Überraschungen für die Kids.
Pünktlich um 11.30 Uhr rief Ralf Hellenthal vom Jugendvorstand zum Sammeln am Sportheim. Die Kinder wurden in Gruppen eingeteilt und ein Kapitän (Erwachsener) benannt.
Jeder Kapitän erhielt eine Schatzkarte und eine Wegbeschreibung. Die Schatzjagd nach Bubenheim konnte beginnen. In Zeitabständen von 10 Minuten zogen die einzelnen Gruppen mit vorher ausgeteilter Marschverpflegung los. Unsere Gruppe, geleitet von Kapitän Rudi, dem Schrecken der Felder, Wiesen und Wälder, war die Vorletzte. Bei strahlendem Sonnenschein ging es auf nach Bubenheim, erst ein Stück am Bahngleis vorbei und dann dem Plan folgend über freiliegende Feldwege.
Das Ganze war eine staubige und schweißtreibende Angelegenheit, die Kinder aber hatten ihren Spaß. Vor uns waren die früher Gestarteten schon bei der Schatzsuche zu beobachten.
Das spornte natürlich unsere Kinder an, und die Frage „Wann können wir denn unseren Schatz suchen?“ wiederholte sich des Öfteren. Kapitän Rudi aber ließ sich das Geheimnis nicht entlocken. Dann plötzlich wurde es hektisch, Kapitän Rudi gab den Suchbefehl und die Schatzjagd konnte beginnen. Die Piraten suchten überall, im Feld, im Graben, hinter jedem Baum und hinter jedem Stein. Die wilde Sarah, eine ganz verwegene Seeräuberin, entdeckte schließlich den Schatz und rief „Ich habe ihn gefunden“. Alles stürmte hin zu Sarah und drängelte sich um den Schatz. Da war sie, die „Schatztruhe“, ein weißer Eimer mit einem Deckel, diente wahrscheinlich ursprünglich mal fertigem Kartoffelsalat als Behältnis. Jetzt waren lauter Süßigkeiten darin. Die Beute wurde gerecht unter den Schatzjägern aufgeteilt, und alle waren zufrieden.
Für eine kurze Zeit wurde es ruhig in der Gruppe, nur ein leises Schmatzen war zu vernehmen.
Man hatte wirklich an alles gedacht, sogar eine Trinkstation in Form einer Getränkebox hatten Ralf und seine Helfer am Wegrand deponiert, die von durstigen Seeräubern gnadenlos geplündert wurde.
Ach ja, unser Sohn, der meldete sich dann auch mal wieder „Papa, kannst Du mich ein bisschen tragen, ich bin kaputt?“ Was man als Papa nicht alles macht! Nach 5 Minuten Loge auf Papas Schultern kam kurz und knapp die Anweisung „Runter, mir schlafen die Beine ein“.
Es waren aber auch nur noch ein paar Meter bis zum Ziel, dem Hauptquartier aller Piraten, dem Bubenheimer Spieleland. Am Kassenhäuschen stand Caro van Kempen und erwartete uns schon, um den Eintritt mit der Kassiererin zu regeln.
An einer überdachten Station mit Sitzgelegenheiten hieß es erst einmal sammeln, um dann zu den Spielgerätschaften auszuschwärmen. Auch unser Sohn war danach zunächst verschollen. Nach einem Kontrollgang erspähte ich ihn, na wo schon, natürlich im kleinen Fußballstadion in der Anlage mit seinen Kumpels kickend. Aber nicht all zu lange, da hatten sie den Bolzplatz hinter der Riesenrutsche entdeckt und weil Thomas, sein Freund aus der Bambinimannschaft, einen Ball dabei hatte, zogen die Beiden auf den Bolzplatz, Simon, ebenfalls aus der Bambinimannschaft, im Schlepptau. Fußball, Fußball, Fußball, die anderen Spielgeräte waren für Sohnemann mehr oder weniger uninteressant. Für die anderen Kids war das Spieleland ein Paradies, und man nutzte die willkommene Abwechslung auf den zahlreichen Spielgeräten sichtlich.
Für die Verpflegung der Truppe war auch gesorgt! Familie van Kempen rückte mit einem Hänger voller kulinarischer Köstlichkeiten an. Mit dem Wagen konnte man natürlich nicht vorfahren, so musste der Hänger abgekoppelt werden und bis zur Basisstation gezogen werden, was sich aber als kleineres Problem erwies. Kartoffelsalat, Nudelsalat, Brötchen und kalte Würstchen auf Plastikteller mit Plastikbesteck waren der Renner und für Abenteuerhungrige genau das Richtige. Und nach dem Essenfassen waren sie wieder weg. So verging der Nachmittag sehr schnell. Es war schon relativ spät, als dem Junior klar wurde, im Spieleland kann man auch noch andere Sachen machen außer Fußballspielen. Ein Spielgerät reizte ihn dabei noch besonders, die Riesenrutsche! „Papa, gehst Du mit mir noch auf die Rutsche?“ Und so kam es, dass wir beide uns mit einer Matte bewaffneten und die steile Stahltreppe hochkletterten. Dabei wurde mir mal wieder bewusst „So ganz schwindelfrei bist Du ja nicht, aber bloß nichts anmerken lassen!“. Im Doppelsitzer sausten wir dann insgesamt viermal herunter. Nach dieser bestandenen Mutprobe wurde nochmals der Ball anfixiert. Es spielte Groß gegen Klein auf einem improvisierten Spielfeld. Dabei entwickelten vor allem die Kids einen großen Ehrgeiz. Ein abruptes Ende bescherte dem Ganzen jedoch der Umstand, dass Vater und Sohn in unterschiedlichen Mannschaften spielten und eine Flanke von Papa ausgerechnet in Söhnchens Gesicht landete. Aufgrund des wortlosen Schweigens und der vorwurfsvollen Blicke überkam mich doch ein gewisses Gefühl des Unbehagens, „Wie kannst Du nur Deinen eigenen Sohn abschießen?“ Nach dem die Tränchen getrocknet und der Ärger verraucht waren und „Papas bester Freund“ die Entschuldigung akzeptiert hatte, war die Angelegenheit jedoch schnell vergessen.
Es war auch Aufbruchzeit, schließlich planten die Verantwortlichen auf dem Binsfelder Sportplatz mit den Kindern, na was wohl, natürlich noch ein Fußballturnier zu veranstalten.
Mit Kleinbus und Auto ging es zurück nach Binsfeld.
Stephan Kowalski hatte schon mit seinen Helfern kleine Spielfelder für das 4 gegen 4-Turnier vorbereitet. Aus verschiedenen Altersklassen wurden die Mannschaften zusammen gelost. Der Ansporn für die Kids war der Aufstieg in die höhere Klasse und der Sieg in der höchsten Klasse beim letzten Spiel. Es gab die Kreisklasse, die Bundesliga und die Championsleague.
Ein Spiel dauerte 8 Minuten (vielleicht auch 10). Die Kids nahmen die Sache natürlich sehr ernst, und es entwickelten sich umkämpfte Spiele. Dabei kam unser kleiner Fußballheld leider etwas zu kurz. Die größeren Spieler in seiner Mannschaft bevorzugten mehr das Einzelspiel als das gepflegte Kombinationsspiel. Aber er kämpfte ehrgeizig und munter mit und konnte Bälle erobern und auch hin und wieder einen „genialen“ Pass spielen.
Währenddessen ließen es sich die meisten Mütter und Väter auf Campingstühlen vor den Zelten bei weiterhin strahlendem Sonneschein gut gehen. Die Tränke vor dem Sportheim war zudem geöffnet, so dass auch der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen werden konnte.
Nach dem Turnier stürmten hungrige Fußballer natürlich an den Grill, um verbrauchte Kohlenhydrate nachzutanken. Hamburger, Koteletts, Würstchen und Fritten fanden reißenden Absatz.
Nur unser Grillfleischverächter begnügte sich lediglich damit, ein Schälchen Fritten zu essen, ohne Majo, ohne Ketchup, ohne Senf, nur mit Salz. Allerdings hatte Papa wieder vorgesorgt, der zum Duschen schnell mal nach Hause gefahren war und bei der Gelegenheit noch ein paar „Schmacken“ für den kleinen André-Hunger zwischendurch mitgebracht hatte.
Nach Fütterung der Raubtiere rief Ralf Hellenthal zum Sammeln vor die Fußballranch. Die von den Kids erreichten DFB-Sportabzeichen in Gold, Silber und Bronze wurden im offiziellen Rahmen vergeben. Aus jeder Jahrgangsgruppe wurde dem oder der Besten zudem noch ein Fan-T-Shirt verliehen.
Als krönender Abschluss des Samstagabends stand das Championsleague-Finale zwischen Inter Mailand und Bayern München im Mittelpunkt des Interesses. Hierfür hatte man einen Beamer mit Leinwand im Sportheim und etliche Stuhlreihen aufgebaut.
Gegen 20.30 Uhr fanden sich dann die Bayernfans und auch Nicht-Bayernfans ein, um sich das große Finale anzusehen. Leider verlief das Spiel nicht so, wie von vielen erhofft, nämlich mit einem strahlenden Sieger „Bayern München“. Enttäuschung machte sich breit, als man feststellen musste, die Bayern waren den Mailänder an diesem Abend nicht gewachsen und mussten sich bekanntlich mit 0 – 2 geschlagen geben. Nur ein kleines Männlein freute das ganz besonders, und immer, wenn der Mailänder Melitto den Bayern einen ins Netz legte, sprang dieses Männlein wie ein Rumpelstilzchen hoch und bejubelte die Treffer.
Tja mit den Bayern hat er es nicht so, unser Sohn, ganz zum Unmut der Eltern, die doch schon seit Beckenbauers Zeiten Bayernfans sind. Die zu diesem Thema zu Hause geführten Grabenkämpfe sollen hier nicht weiter erörtert werden.
Zwischenzeitlich hatte man erneut ein Lagerfeuer entfacht, das sich nach dem Spiel wieder großer Beliebtheit erfreute. Zum Ausklang eines ereignisreichen Tages konnte man die Seele am Feuer noch mal richtig baumeln lassen. Auch die Kids waren groggy, der aktionsgeladene Tag in der prallen Sonne hatte seine Spuren hinterlassen.
Davon bekam die Mama allerdings nichts mehr mit, sie war zum Schlafen nach Haus gefahren.
Gegen 23.30 Uhr übermannte Vater und Sohn ebenfalls die Müdigkeit. Wir verabschiedeten uns von den anderen, um unser Nachtquartier aufzusuchen. Trotz der wieder zu erwartenden Ruhestörungen, entschloss ich mich doch tatsächlich, auch die zweite Nacht im Zelt zu verbringen. Doch in dieser Nacht war alles ganz anders. Weder die Geräusche vom Lagerfeuer, noch das Quaken der Frösche, noch das Schnarchen aus dem Nachbarzelt konnten einen festen und erholsamen Schlaf verhindern. Gegen 6.50 Uhr schlich ich mich, fast ausgeschlafen, am nächsten Morgen aus dem Zelt, um den van Kempens wieder beim Zubereiten des Frühstücks zu helfen. Der Sohnemann schlief derweil fest weiter.
Wie es sich für ein Sonntagsfrühstück gehört, gab es zu den belegten Brötchen noch warmes Omelette und Bratkartoffeln, die vom Chef, Opa van Kempen, persönlich zubereitet wurden.
Diese kulinarische Köstlichkeit war natürlich der Renner am Morgen. Um 9.00 Uhr hatten die Meisten gefrühstückt und die Ersten fingen an, ihre Zelte abzubauen. Gegen halb zehn musste ich meinen Langschläfer aufwecken, der vermutlich bis Mittag durchgeschlafen hätte.
Der Rest ist schnell erzählt. Nach einer Tasse Milch und einem halben Käsebrötchen trieb es André zu seinen schon Fußball spielenden Kameraden, um die letzten Stunden aus seiner Sicht noch sinnvoll zu nutzen. Bis Mittag waren alle Zelte abgebaut und man hatte alles aufgeräumt. An das regen Treiben der letzten beiden Tage erinnerte nun nichts mehr, außer dass die Binsfelder A-Jugend 2 noch ein Meisterschaftsspiel auf dem Sportplatz bestritt, dass aber aufgrund der hohen Niederlage einer weiteren Erwähnung nicht bedarf.
Mit der Gewissheit, ein wunderschönes Wochenende beim Pfingstzeltlager in Binsfeld verlebt zu haben, fuhren wir beide nach Hause, um uns zu Hause von Muttern mit Gulasch und Knödel verwöhnen zu lassen.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Organisatoren und Helfern für die schönen Tage herzlich bedanken. Es war ein tolles Erlebnis, und im nächsten Jahr sind wir wieder dabei. Und wenn Andrés Mama Urlaub bekommt, dann schlafen wir zu Dritt in unserem wunderschönen, grauen Zelt, aber nicht mehr so nah am Froschteich.
Gisela, André und Hardy Nesselrath








